Landwirtschaftlicher Anbau von Hanf im Bregenzerwald

Das Projekt – unser erster Hanfacker

Mit dem Bau des Greenhouse Bregenzerwald kam uns zeitgleich der Gedanke, Nutzhanf Outdoor anzubauen. Um dies in die Tat umzusetzen, bauten wir im Frühjahr bis Spätsommer 2021 auf gut 2.800m² an zwei verschiedenen Standorten am Sulzberg Nutzhanf an. Als Sorte wählten wir die Fedora 17, welche für die Produktion von Hanfsamen eine gängige, europaweit bekannte Nutzhanfpflanze ist.

Dadurch, dass Tobias und Aaron in landwirtschaftlichen Betrieben aufgewachsen sind, konnten wir von besonderen Möglichkeiten profitieren, welche für ein solches Vorhaben notwendig sind. Angefangen von den Wiesen, welche als Ackerfläche nutzbar gemacht wurden, bis hin zum Maschinenfuhrpark, der die Arbeiten im großen Stil erst möglich macht. Aus diesem Grund konnten wir jeweils rund 1.400 m2 Wiesenfläche für uns beanspruchen.

Traktor auf eigenem Acker

Nutzhanf-Keimlinge

Anwendung von Nutzhanf in Österreich

In Österreich dürfen nur Sorten ausgesät werden, welche im EU-Saatgutkatalog gelistet werden. In dieser Auflistung sind rund 60 Hanfsorten enthalten, welche in der EU, sofern es keine anderen Bestimmungen im jeweiligen Land gibt, angebaut werden dürfen. Hierbei handelt es sich um sehr THC-arme Sorten, welche meist einen THC-Wert von unter 0,30% vorweisen. In Österreich dürfen Hanfpflanzen diesen nicht überschreiten. Aus diesen Gründen sind auch keine berauschenden Wirkungen zu erwarten. Zudem handelt es sich bei den meisten Nutzhanfsorten um Zwitterpflanzen. Dies hat zur Folge, dass sich die Pflanzen während der Blütephase gegenseitig bestäuben und in den Hanfblüten die Hanfsamen heranwachsen. Die Blüten sind dadurch später nicht mehr wirklich nutzbar.


Anmeldepflicht und Kontrollen

Der Anbau von Nutzhanf (Cannabis sativa) ist bei der Landwirtschaftskammer und der AgrarMarkt Austria, kurz AMA, anzumelden. Für die Aussaat sind weiters nur zertifizierte Samen zulässig, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass diese den maximalen THC-Wert von 0,30% nicht überschreiten. Bevor der Hanf geerntet werden darf, ist dies bei der AMA zu melden, da mögliche Kontrollen durchgeführt werden können.

Hanffeld am Sulzberg, Vorarlberg

Traktor mit Bodenfräse

Vorarbeiten eines Hanfackers

Nach längeren Recherchen bei einem bekannten Hanfbauer aus der Region, der Homepage der Landwirtschaftskammer und diversen Foren, haben wir uns für die Fedora 17 entschieden. Zuvor waren etliche Arbeitsschritte notwendig, damit der Acker optimal für die Aussaat vorbereitet war.

Einsatz von Landmaschinen

Mit einer sogenannten “Bodenfräse” wird zuerst der Mutterboden zerkleinert. Daraufhin werden mit einem Pflug die ersten 50cm des Bodens um 180 Grad gedreht, sodass die Gräser und Wurzeln des Mutterbodens in die unteren Lagen gelangen und Nährstoffe für die Hanfpflanzen bereitstellen. Bei diesem Schritt kommt zum Vorschein, mit welcher Bodenbeschaffenheit wir es zu tun haben. Kommen, wie in unserem Falle, Steine und größere Steinbrocken zum Vorschein, kann dies mit Pickeln und Sparten zur schweißtreibenden Angelegenheit werden, da diese entfernt werden müssen, um die Maschinen vor Schäden zu schützen.

Nach dem Pflügen des Feldes kommt die “Bodenfräse” ein weiteres Mal zum Einsatz. Mit ihr wird aus dem gepflügten Acker ein glattes, für das Saatgut perfekt vorbereitetes Feld. Bei diesem Schritt muss das Feld zuvor abermals nach Steinen abgesucht werden, um Schäden an der Maschine zu vermeiden.
Nun können die Hanfsamen ausgesät werden. Mit einem sogenannten Striegel und einer Walze werden die Hanfsamen rund 3cm in den Boden gedrückt, damit die Samen optimal keimen und anwurzeln können.

Traktor mit Striegel und Walze

WälderKrut_Hanfpflanzen_Cannabis Sativa_Hanfacker Sulzberg

Wachstumsverhalten von Hanf

Hanf ist eine sehr dankbare Pflanze. Einmal ausgesät, fällt bis zum Erntezeitpunkt so gut wie keine Arbeit an. Die Hanfpflanze stellt keine großen Anforderungen an den Boden und benötigt keine zusätzliche Wasserzufuhr. Pestizide oder ähnliches werden nicht benötigt. Trotz eines anfangs nassen Frühjahrs und eines trockenen Sommers wuchsen die Hanfpflanzen rückblickend sehr gut, sodass sie bei Aaron eine Höhe von rund 1,50 bis 2m und bei mir bis zu 3m erreichten. Hier ist ersichtlich, dass je nach Untergrund extreme Unterschiede in Bezug auf die Höhe auftreten können. Zudem wurden die Felder vor der Aussaat nicht zusätzlich gedüngt, wodurch mit unter noch mehr Ertrag möglich gewesen wäre.


Ernte des Nutzhanfs

Dank Aarons Nachbar Jonas, welcher hauptberuflich Landmaschinentechniker ist, hatten wir die richtige Ansprechperson für alle Maschinen an unserer Seite. Von der Vorbereitung der Ackerfläche, wie oben beschrieben, bis zur selbst entwickelten und eigens gebauten Erntemaschine, welche aus verschiedensten erworbenen Einzelteilen bestand – Jonas war mit voller Begeisterung dabei.

Eigenbau einer Hanferntmaschine
WälderKrut_Blütenstamm_Hanfpflanze_Hanffeld Sulzberg_Bregenzerwald

Welcher Teil der Hanfpflanze wird geerntet?

Bei der Hanfernte ist primär der obere Bereich der Pflanze essentiell, da sich hier die Hanfsamen befinden, welche für die Ölerzeugung genutzt werden. Dadurch, dass die Pflanzen bis zu 3 Meter hoch wurden, war das Heben des “Mähbalkens” auf dieselbe Höhe (was mit Jonas eigens gebauter Vorrichtung möglich war) eine unglaubliche Bereicherung, da wir die Höhe des Schneidewerks individuell variieren konnten. In den meisten Fällen kommen bei mittelgroßen Hanffeldern umgebaute Mähdrescher zum Einsatz, mit denen maximal 80 cm über dem Boden gemäht wird. In diesem Bereich der Pflanze sind die Stängel um einiges dicker als im oberen Drittel, was das Schneidewerk zum Stillstand bringen kann, da sich die starken Hanffasern verwickeln können.

In unserem Fall konnten wir die Hanfsamen ohne Ausfall und Gebrechen von Maschinenteilen ernten. Die Stängel, welche nach der Samenernte stehenblieben, wurden Tage darauf mit einem Motormäher zu Fall gebracht.


Rückgabe von Nährstoffen – perfekter Kreislauf

Bei der richtigen Vorgehensweise nach der Ernte, gibt die Hanfpflanze einen wesentlichen Teil der Nährstoffe, welche noch in den Fasern und im Stängel enthalten sind, wieder an die Natur ab. Ist dieser Prozess abgeschlossen, kann die Biomasse weiterverarbeitet werden. Hanf ist weiters eine äußerst schädlingsresistente Pflanze. Diese beiden Eigenschaften ermöglichen einen Anbau ohne Fruchtfolge (jährliches Wechseln der Anbaupflanze) über mehrere Jahre hinweg.

WälderKrut Erntemaschine_Hanf-Acker_CBD-Öl_Sulzberg

WälderKrut CBD-Öl 10

Verarbeitung der Hanfsamen

Nach einigen Wochen der optimalen Trocknung und Lagerung haben wir unsere Hanfsamen pressen lassen. Mit dem gewonnenen Öl konnten wir unter anderem unser einzigartiges CBD-Öl erzeugen lassen.

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